Tanzen gegen das Tanzverbot – Einsam statt Gemeinsam

Sicherheitshinweisliche Warntafel

Auch im Jahre 2013 des "Herrn" rufen wir wieder zu Protesten gegen die Beschränkungen von elementaren Grundrechten wie der Meinungs-, der Lehr- und der Versammlungsfreiheit auf. Das diesjährige Motto lautet "Tanzen gegen das Tanzverbot - Einsam statt Gemeinsam". 

Mit dem aktualisierten Zusatz "Einsam statt Gemeinsam" folgt die Aktion dem Urteil des Verwaltungsgerichtes Gießen, welches am 25.10.2012 feststelle, dass es natürlich am Karfreitag erlaubt ist, tanzend seine Meinung zu äußern, jedoch nicht im Rahmen einer Versammlung (siehe: 4 K 987/12.GI Abs. 20 S. 4).

Inhaltliche Diskurs über das Feiertagsgesetz
Immer wieder wird in der Diskussion der Satz laut: "Wer tanzen gehen will, kann auch arbeiten". Zuletzt tingelte Dr. Lars Witteck mit diesem wieder durch die Medien. Dieses CSU-würdige Stammtischniveau hilft jedoch bei einer sachlichen Diskussion nicht weiter, zumal immer mehr Menschen an Wochenenden, Feiertagen oder nachts arbeiten müssen.

In einer säkularen Gesellschaft, wie es Deutschland nun mal ist, kann bzw. darf ein Feiertagsgesetz nicht einseitig von Gläubigen nur für Gläubige ausgelegt werden. Das Bundesverfassungsgericht hat diese gesamtgesellschaftliche Funktion ebenfalls schon festgestellt, sodass der Feiertagsschutz auch für die Verfolgung profaner Ziele wie die der persönlichen Ruhe, Besinnung, Erholung, Zerstreuung und / oder Vereinigung gilt  (vgl. 1 BvR 2857/07).

Würde es in dem Gesetz, wie von der Obrigkeit behauptet, um den Schutz von Gottesdiensten gehen, so hätte die Bahn letzten Karfreitag auch keine lautstarken Gleisbauarbeiten in Gießen durchführen dürfen.

Das Feiertagsgeset geht hier über das notwendige Maß hinaus. Es schützt nicht nur vor der konkreten Gefährdung der Ruhe im realen Umfeld von Gottesdiensten, sondern schränkt auch willkürlich andere Aktivitäten und Grundrechte ein, die den Gläubigen in keiner Weise bei ihrer Ausübung ihrer Religionsfreiheit beeinträchtigen. Es ist absolut unverständlich, wie das Tanzen in einer Diskothek einen Gläubigen beim Ausleben seiner Religion stört. Pervertiert wird dies noch dadurch, dass an stillen Tagen nicht mal eine Bibliothek öffnen darf, also ein Ort, der von Natur aus still ist! (siehe §6 Abs.2 HFeiertagsG) Auch wird kein religiöser Mensch gezwungen, diese kulturellen Angebote wahr zu nehmen.

Vorstellbar wären zum Beispiel entsprechende "Bannmeilen" um religiöse Veranstaltungen, wie es die Berliner Feiertagsschutz-Verordnung (vgl. §3 FSchVO) schon heute vorsieht, um allen Bürgern und ihren Bedürfnissen möglichst gerecht werden zu können und eben nicht nur der beiden "Staatskirchen".

Doppelmoral des regierungspräsidialen "Kreuzritters"
Es scheint, dass der Regierungspräsident seine vom Land Hessen verliehene und somit nicht vom Souverän legitimierte "Macht" ausnutzt, um seine Moral und seine Meinung auch gegen berechtigte Kritik durchzusetzen.

Allerdings hatte er am vergangenen Totensonntag offensichtlich kein Problem damit, dass "seine" Gießen 46ers mit einem Bundesliga-Basketballspiel gegen das Feiertagsgesetz verstoßen haben. Ob uns letztes Jahr einfach die VIP-Lounge mit ihren Schnittchen gefehlt hat?

Erschreckend ist auch das Verhalten des Verwaltungsgerichtes Gießen, dass offenkundig wider besseres Wissen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts missachtet und die verschiedenen Grundrechte vermischt hat.  Das hessische Feiertagsgesetz schränkt nur die Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG) ein. Das Thema einer Demonstration ist aber durch die Meinungsfreiheit (Art. 5 GG)  geschützt, worauf frühere Urteile des Bundesverfassungsgerichtes auch hinweisen (vgl. 1 BvQ 19/04 Abs. 19).

Dabei spielte das Gericht potenzielle Mehrheiten (Christen) gegen mögliche Minderheiten (Anders- und Nichtgläubige) aus. Offenbar hat hier das Verwaltungsgericht grundlegend den Sinn des Grundgesetzes verkannt, welches im Wesentlichen aufgrund der Erfahrungen der Weimarer Republik und dem Dritten Reich ein Minderheitenschutzgesetz ist (vgl. 1 BvQ 19/04 Abs. 21).

Aufruf weiter für die Novellierung des Feiertagsgesetzes zu kämpfen
Aus diesen Gründen rufen wir an Karfreitag auf, die Stimme gegen kirchlich motivierte Verbote zu erheben, um im eigenen Garten, auf beliebigen Straßen oder vielleicht ab 18:30 Uhr vor dem Regierungspräsidium, Landgraf-Philipp-Platz einzeln zu protestieren. Dabei rufen wir explizit NICHT dazu auf, dies gemeinsam mit anderen zu tun, sondern nur einzeln - oder eben "einsam statt gemeinsam".

Für alle, die befürchten, dass unter Umständen noch andere Menschen anwesend sein könnten, die rein zufällig auch eine ähnliche Meinung vertreten könnten wie man selbst, gibt es unsere praktische sicherheitshinweisliche Warntafel (Download: http://is.gd/Sicherheitswarntafel) zum Selbstausdrucken. Damit weist man auch gegenüber der Polizei noch mal explizit darauf hin, dass man dort wirklich nur alleine und einsam die eigene Meinung tanzend verbreitet und nicht etwa in einer Versammlung (gemeinsam) dies tun würde.

Diese Proteste gegen das Feiertagsgesetz haben in den letzten Jahren bereits in Bayern und Bremen Wirkung  gezeigt. So wird in Bremen das Tanzverbot auf die Zeit zwischen 6 und 21 Uhr beschränkt und soll 2018 ganz abgeschafft werden!

Kommentare

Super aktion!

mehr davon im gießener raum. aktionen rocken.

Von wegen stiller Feiertag

Entgegen all dieser Statements und offizieller Absichtserklärungen gelang es am vergangenen Freitag wieder tausenden Menschen allen Alters unter Abspielen lauter Musik rituelle Tänze aufzuführen.

In der Stadt Lohr gelang es einer Gruppe von Angehörigen einer aus Palästina stammenden jüdischen Täufersekte mit Blasmusik und Perkussionsbegleitung einen Schreittanz aufzuführen. Dabei wurden auch noch zur Erbauung des Publikums lebensgroße Darstellungen einer archaischen Menschenfolterung hergezeigt.

Einzig auf Gesänge und gemeinsame Textverlesungen würde man verzichten, wie ein Sprecher der Initiative erklärte. Über diese Aktion gegen die Feiertagsruhe wurde in mehreren regionalen Medien und Radiosendern berichtet. Quelle: http://bit.ly/13H71uk

Man sieht es deutlich,

Dummheit ist kein Privileg der etablierten. Nein auch neue, so super liberale "Parteien" können das! Armes Deutschland! Mit solchen Chaoten werden wir in der Anarchie enden.

Feiertage eben ganz abschaffen

Wenn diese stillen Feiertage für die meisten in unserem Land sowieso keinen Sinn mehr ergeben, dann wäre es nur konsequent, sie ganz abzuschaffen. Unsere Wirtschaft würde sich gewaltig darüber freuen.
Also Leute: Karfreitag und Ostermontag wieder ganz normal arbeiten gehen - und in der verbleibenden Zwischenzeit kann ordentlich abgefeiert werden.
Ach ja, wenn wir schon dabei sind: die Sonntage könnten ebenfalls wegfallen, denn auch diese Feiertage gehen auf das Christentum zurück.

Wenn euch Traumtänzern

erst mal Mohamed und seine Anhänger den Weg zeigen, werdet ihr sehen, wohin euch eure Inkompetenz gebracht hat.

Es war einsam

Es war einsam und nicht schön. Irgendwie ist dieses unsägliche Verbot ja auch ein Zeichen dafür, wie die Regierenden es gerne hätten: Haltet den Mund, tut was man euch sagt, seid still. Also bin ich in den Garten, hab den Mund gehalten, und mir gesagt: Wo ich bin, da ist kein Tanzverbot!

http://youtu.be/eJOzgm4spdk

Es ist jedes Jahr ein neues Problem

daher wird das so lange thematisiert, bis das sog. "Tanzverbot" fällt.
Wo leben wir denn hier, dass die Kirche mir vorschreiben kann (über die Bande per Gesetzgeber), was ich zu tun und zu lassen habe. Insbesondere dann wenn es sonst nicht verboten ist. Weiterhin ist es absolut bizarr, dass sich das Ordnungsamt als Religionspolizei aufspielt.

Der Herr Gastwirt hier ist bestimmt nicht gesetzlich dazu gezwungen worden Gastwirt zu werden, also soll er sich bitte nicht beklagen. Find ich sowieso das letzte: Ich kann nicht, also soll niemand können. Ich mach ihnen einen Vorschlag: Niemand geht mehr in ihren Gastronomiebetrieb, dann haben sie ruh.

Ich lass Euch beten, also lasst mich tanzen

Ich finde, dass es bei einem Protest gegen das Feiertagsgestz nicht darum geht Gläubige Menschen zu mißachten, oder um eine Möglichkeit zu streiten noch weniger Zeit mit seiner Familie verbringen zu müssen.
In meiner Meinung geht es vielmehr um den Streit über fragwürdige Gestzestexte, die zum einen die Religionsfreiheit schützen wollen, dabei allerdings nur von einem einzigen Glauben ausgehen. Ist es von einem säkularem Staat zuviel verlangt nicht der ganzen Nation christliche Ideen aufzuzwingen? Wie ginge man mit einem Fest eines anderen Glaubens um, wenn dies zufällig auf das selbe Datum fiele (wie zum Beispiel Neujahrfeste, bzw "heidnische" Frühlingsrituale etc.) ?
Ich finde jeder darf nach seinem Gusto leben, solange er andere nicht in ihrem Leben beschränke... Also wird man wohl nicht unbedingt vor der Kireche ne Party feiern, während dort ein Gottesdienst läuft. Aber es wird ja wohl auch keinen Christen stören wenn die bösen Heiden im MuK feiern gehn....

Tanzverbot

Ihr könnt wohl nicht anders? Jedes Jahr das selbe Gesummse. Piraten und ein ehemaliger Ossi. Dass die mit Werten Anderer nichts anfangen können....
Na was solls, Piraten sind bald Geschichte. Gut so!

Klar ich geh auch gerne

Klar ich geh auch gerne feiern in discos. Aber warum zerreisst ihr euch jedes Jahr weiterhin den Kopf das Tanzverbot aufzuheben. Ich bin jetzt auch nicht so, das ich in die Kirche gehe oder sowas. Aber ich frage mich warum sich die menschen wegen diesem einen tag so aufregen. Ihr könnt doch alle das ganze Jahr über feiern. Und an diesem einen Tag geht für euch die Welt unter, weil ihr nicht tanzen könnt. Habt ihr nichts mehr besseres in eurem Leben zu tun oder was. Kein Wunder das es immer mehr diese sogenannten Komasäufer gibt. Alle wollen nur noch feiern sonst nichts mehr. Man da muss man aber ein erbärmliches Leben führen, das man nur noch as l. Man kann so vieles andere an solchen Tagen unternehmen. Wenn nicht macht doch ein Wochenendtrip mit euren Familien. Aber manche denken wohl bei sowas dann immer noch "Man wäre jetzt lieber tanzen gegangen". Daran merkt man aber das solche Leute nicht mehr viel übrig für was anders haben als feiern gehen zu wollen. Ich bin froh das man einmal im Jahr Ruhe vor dem ganzen hat. Man kann ja sonst jedes Wochenende feiern. Wie gesagt gehe auch sehr gerne mal feiern. Will euch aber nur damit sagen, das das sowas von schwachsinnig ist was ihr alle da abzieht wegen einem einzigen Tag da. Da merkt man doch das ihr an nichts anderes mehr denken könnt, ausser an sowas.

Ich lass euch beten - lasst Ihr mich tanzen!

Ich bin ein Kleingastronom aus Sachsen Anhalt und habe Ihren Artikel mit Freude gelesen.
Seit vielen Jahren veranstalte ich eine Osterparty, in meiner kleinen Gaststätte. Diese Veranstaltung umfasst nicht mehr als 50 Gäste und hat einen eher privaten Charakter. Es werden keine Plakate gehangen, keine Flyer verteilt und auch sonst keine Werbung gemacht. Ich habe meine Stammgäste per Facebook eingeladen.
Die Kirche bekam Wind von der Sache und hat mich beim Ordnungsamt verraten, obwohl Verrat und Neid ist eine biblische Sünde ist. Nur gut, dass ich mit dem Ordnungsamtschef gut kann und er mich gleich anrief.
Nun habe ich meine Veranstaltung als rein privat ausgewiesen, was in meinem Fall gut möglich ist. Alle Gäste sind persönlich von mir eingeladen und der Kirche habe ich Hausverbot erteilt :-)

Nun bleibt nur ab zu warten, welche Konsequenzen die Sache nach sich zieht. Bei einem Ordnungsgeld, neige ich dazu, mit meinem Anwalt für meine Verfassungsmäßigen Rechte zu kämpfen. Privatfeiern kann niemand verbieten!!!

Ein gutes Motto unserer Privatveranstaltung:
Ich lass euch beten - lasst Ihr mich tanzen!

LG
Steven K.

P.S: Ich finde euch Cool - macht weiter so!

Aktion in Frankfurt

Am Vortag (Do. 28.3) findet eine angemeldete Aktion unter dem Motto "Hasenfest - Ich lass dich beten - Lass du mich tanzen" in Frankfurt an der Konstablerwache statt. Gießener Piraten und alle anderen Interessierten sind natürlich herzlich willkommen! http://hasenfest.org/frankfurt-2013.html Im Gegenzug kommen sicher auch einige Frankfurter zum einsamen Tanzen am Freitag nach Gießen.
Viele Grüße,
Florian