Gießener Piraten betrachten das Wahlergebnis und sagen Danke

Monate des Wahlkampfes sind am Sonntag zu Ende gegangen. In Gießen hatten wir zudem einen 72-stündigen Nonstop-Endspurt, bei dem uns viele PIRATEN, weit über Gießen hinaus, unterstützt haben. Bei allen Helfern und natürlich den Menschen, die uns gewählt haben, möchten wir uns ganz herzlich bedanken.

Während des Wahlkampfes hörten wir oft, dass wir es als Partei selbst vermasselt hätten. Viele wollten und haben uns auch nicht gewählt, weil wir laut Umfragen angeblich keine Chance mehr hatten. Durch die knappe 5%-Lage der Linken in Hessen dürften einige Menschen sicherlich taktisch gewählt haben, um überhaupt noch eine oppositionelle Partei im Landtag zu haben.

Dies spiegelt sich teilweise im Wahlergebnis wider. Bei den Erststimmen sind wir in Gießen, obwohl wir hier für Themen statt Köpfe stehen, besser weg gekommen als bei den Zweitstimmen. Ob dies daran lag, dass keiner unserer Kandidierenden auf Plakaten zu finden war oder gerade deswegen, bleibt leider noch unbeantwortet.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Aktiven zu Beginn des Wahlkampfes teils mit totaler Ablehnung und teils bissigen Kommentaren begrüßt wurden. In den Jahren seit den letzten Landtagswahlen haben wir u.a. unsere Glaubwürdigkeit verspielt und konnten die in uns gesteckte Hoffnung nur zum Teil erfüllen. Somit stagnierten zuletzt die Umfragen auf niedrigem Niveau.

Allerdings konnten wir durchaus an Vertrauen vor Ort zurückgewinnen. Der irrsinnige 72-stündige Endspurt hat uns Respekt von vielen Gießener Bürgern und auch vom parteipolitischen Mitbewerb von Linken, Grünen und der SPD eingebracht.

Teilweise äußerte sich dies auch in relativ guten Wahlergebnisse. Unser Landtagskandidat Christian Fleißner konnte stadtweit 3,4% der Stimmen erbeuten und unser Bundestagskandidat Sascha Endlicher 3,5%. Dabei waren einzelne Wahllokale wie z.B. in der Innenstadt teilweise viel besser mit 8,6% und 7,3% - wie auch schon tendenziell bei den U18-Wahlen.

Es zeigt uns, dass unser ehrenamtliches Engagement und unsere Inhalte - gerade in Zeiten globaler, digitaler Überwachung - nicht vergebens sind und die Piratenpartei eine langfristige Option zur derzeitigen Politik ist. Wir haben nun erst Mal unsere Hausaufgaben nach der verdienten Schlappe zu machen. Wer allerdings jetzt schon Konsequenzen für den Kurs unserer Partei fordert, gibt einem notwendigen Prozess der Reflexion zu wenig Zeit.

Zudem müssen wir überlegen, wie wir in Gießen das entgegengebrachte Vertrauen im Stadtparlament und im Kreistag unterstreichen, sowie dies auf Landes- und Bundesebene als außerparlamentarische Opposition umsetzen können. Für diesen Prozess wollen wir die Bürger - wie immer - zur Teilnahme einladen.

Am Ende möchten wir uns auch für jedes gute Gespräch auf dem Seltersweg sowie den zahlreichen Online-Diskussionen bedanken.