Resümee der Diskussionsrunde beim Sportkreis Gießen

Handout Sportkreis Gießen

Gestern, am 28. Mai 2015, waren alle Landrats- und Oberbürgermeister-Kandidierenden vom Gießener Sportkreis in die Kongresshalle zu einer Diskussionsrunde eingeladen.

Da Sport und Piraten auf den ersten Blick recht wenig gemein haben, programmatisch lediglich Anknüpfpunkte zu Fanrechten und ansonsten Diskussionen über die Freigabe von Doping liefen, hat Sascha die Programme der Piraten nach weiteren Aspekten durchforstet. Mit anderen Piraten zusammen hatte er ein Handout vorbereitet, dass u.a. die Themen Transparenz und Teilhabe beim Sport aus Piratensicht abdeckt.

Sascha und Ralf präsentierten Eingangs diese Thesen und machten auch klar, dass sie mit dem Themenkomplex Sport und Sportförderung bisher recht wenig Erfahrung gemacht haben. Dafür wollten sie auch eher Informationen und Fragen aus der Runde mitnehmen, anstatt 08/15-Antworten zu geben.

Nach drei Stunden Diskussion und vier voll geschriebenen Blättern, haben sich mehrere Felder eröffnet, die aus Sicht der Vereine besonders kritisch sind:

Generell gibt es seit Jahren, wie in anderen Bereichen auch, einen Mangel an Investitionen in die Infrastruktur - seien es Sportstätten und -hallen, Vereinsräumlichkeiten oder gar die Wettkampftauglichkeit. Da Sport eine freiwillige Leistung der Kommunen ist - trotz Verfassungsrang und Staatsauftrag - ist dies unter dem Rettungsschirm und seinem Abschmelzen der Ausgaben ein großes Problem.
Einen Ausweg aus dem Teufelskreis, wonach sinkende Zuwendungen zu geringerer Attraktivität von Vereinen sowie des Ehrenamtes führen, was wiederum zukünftige sinkende Zuwendungen bedeutet, bietet ein Ansatz, der im Kulturprogramm der Piratenpartei Hessen zu verorten ist: Demnach soll Kultur zu einer Pflichtaufgabe der Kommunen aufgewertet werden. Dieser Weg könnte ähnlich für den Sport beschritten werden. Der Weg über Pflichtaufgaben ermöglicht es Kommunen in Zeiten knapper Kassen festzustellen, dass die Aufgaben aus nachzuweisenden Gründen nicht erfüllt werden können und dementsprechend weitere Gelder beim Land einzufordern. Im Gegensatz dazu ist diese Möglichkeit bei freiwilligen Aufgaben nicht gegeben.

Auch sind Transparenz und Beteiligung ein berechtigter Wunsch. Dies betrifft sowohl Aus- und Umbauten als auch Hallen- oder Sportplatzbelegungen.

Doch die schwierigste Herausforderung ist der Wandel der Gesellschaft und die damit verbundene Anpassung des Vereinswesens. Zum einen lassen sich ehrenamtliche Übungsleiter, die auch Nachmittags zur Verfügung stehen, schwer finden. Zum anderen ergeben sich trotz Kooperationsbemühungen zwischen Schulen und Vereinen beim Ausbau der Nachmittags- bzw. Ganztagsangebote auch Konkurrenzsituationen, was Angebot, Sportstättennutzung und dergleichen angeht. Es wird ein Trend zur Amerikanisierung befürchtet, dass der Ausbau der Schulsports die Vereine verdrängen wird.
Doch birgt dies eine weitere Hürde: Sportstätten für Schulen und Hochschulen, für die es zum Teil Förderungen durch das Land gibt (z.B. HEUREKA-Programm), dienen primär der Forschung und Lehre. Dies deckt sich nicht immer mit den Wünschen der Vereine nach Wettkampftauglichkeit, wo dann z.B. durch Tribünen und Sitzplatzkontigente Versammlungsordnungen und Brandschutz auf einmal eine Rolle spielen und die Kosten steigen.

All dies führt zur Notwendigkeit des Ausbaus von Kooperationen der Vereine, der Stadt mit dem Landkreis und seinen Kommunen (Stichwort: Sportentwicklungsplan), aber auch mit den Hochschulen, der Agentur für Arbeit und Firmen.

Für uns war es ein spannender Abend, da es teils sehr detailreiche Einblicke in die Gießener Sport- und Vereinswelt gab. An einigen Punkten war durchaus auch Spannung zu spüren und es hätte durchaus den Bedarf gegeben, inhaltlich in die Tiefe zu gehen. Erleichtert ist festzustellen, dass das Handout gerade in den Punkten Transparenz und Teilhabe durchaus zutrifft.

Um der Transparenz genüge zu tun: Alle anwesenden Kandidierenden haben eine Sportkreis-Stofftüte mit Handtuch als Gastgeschenk überreicht bekommen.